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HP Spectre 13 unter Linux nutzen

Mit erstklassiger Hardware und Verarbeitung kann der kleine 13-Zöller von HP ja schon mal glänzen. Unter Windows läuft er tadellos. Doch wie sind meine Erfahrungen im Dual-Boot-Betrieb mit Ubuntu 14.04 Trusty Tahr?

Installation alias Die UEFI-Hürde

Wenn man einige Fallstricke beachtet, ist Linux auch unter UEFI schnell installiert. Der BIOS-Nachfolger zwingt einen zwar, neue Wege zu gehe, aber das ist der Preis des Fortschritts. Alles in allem helfen einem aktuelle Distributionen weitesgehend keine Fehler zu machen. Eigentlich verwende ich seit geraumer Zeit Linux Mint, aber solange das noch nicht auf der neuen Ubuntu-Basis aufbaut (und demnach nicht von vielen Verbesserungen in neueren Kerneln profitiert), kehre ich zurück zu Ubuntu.

Da ich vorerst ein Dual-Boot-System verwenden möchte, deaktiviere ich zunächst Fast Boot in Windows, damit Windows auch immer fleißig vollständig herunterfährt, statt nur die Session zu beenden und in den Ruhezustand zu wechseln (nein, so ein Systemstart ist merklich nicht langsamer einer mit Schnellstart). Das geschieht in den Energieoptionen, unter „Auswählen, was beim Drücken von Netzschaltern geschehen soll“ und nach Klick auf den Link, dass „einige Einstellungen nicht verfügbar“ sind.
Um beim anschließenden Neustart direkt ins UEFI-Menü zu gelangen, lässt sich das direkt von Windows aus initialisieren. Die Option dafür erscheint, wenn man beim Klick auf Neu starten die Umschalttaste gedrückt hält und im Erweiterten Menü der Problembehandlung „UEFI“ wählt.
Nach wenigen Sekunden kann man dort Secure Boot deaktivieren und die Boot-Reihenfolge so ändern, dass ein USB-Stick geladen wird. Damit nicht versehentlich doch im BIOS-Kompatibilitätsmodus gebootet wird, kann man hier auch CSM abschalten. Ubuntu lässt sich daraufhin problemlos installieren. Einzig bei der Partitionierung ist Vorsicht geboten, damit die UEFI-Partitionen erhalten bleiben. Ich habe einfach die große Windows-Partition verkleinert und in den frei gewordenen Platz eine Systempartition mit Einhängepunkt / erzeugt, eine mit /home und eine Swap. Ubuntu schreibt sich auch in die Betriebssystemauswahl von UEFI, sodass man aus dem UEFI-Menü (Esc beim Booten) mit F9 in die Auswahl kommt und entweder Linux oder Windows wählen kann.
Zwischenfazit: Dual-Boot funktioniert.

Linux als Standard-Betriebssystem einrichten

Zunächst ist das System so konfiguriert, dass weiterhin bei jedem Systemstart Windows lädt, wenn man das UEFI-Menü nicht startet. Soll hingegen Linux das erste Betriebssystem werden, muss die Reihenfolge geändert werden.

Eigentlich ist das mit UEFI auch kein Problem — wenn HP sich an den Standard halten würde.

Theoretisch gibt es die Möglichkeit mit dem Tool efibootmgr so ziemlich alles Boot-mäßige zu konfigurieren. Es hat mich allerdings einige Stunden und zig Versuche gekostet, herauszufinden, dass HP offensichtlich jede Änderung an der Reihenfolge bei einem Neustart überschreibt und den Windows Boot Loader an die erste Position setzt (eine HP Support-Anfrage ist ausstehend).

Es bleibt zur Zeit leider nur die Möglichkeit, etwas zu tricksen. Die Idee ist, die Windows Starter-Datei bootmgfw.efi aus dem Verzeichnis /boot/efi/EFI/Microsoft/Boot/ woanders hinzukopieren (z. B. in den übergeordneten Ordner) und durch den Linux-Starter zu ersetzen.

sudo mv /boot/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi /boot/efi/EFI/Microsoft/
sudo cp /boot/efi/EFI/ubuntu/grubx64.efi /boot/efi/EFI/Microsoft/Boot/bootmgfw.efi

So startet bei jedem Start Grub2, der einem alle installierten Betriebssysteme zum Starten anbietet. Auch Windows, welches wir ja nun aber durch Linux ersetzt haben (technisch gesehen liegt das an dem OS-Prober Skript, das Grub ausführt und anhand des eindeutigen Verzeichnisses den Eintrag für ein Windows hält). Soll hier also auch der Windows-Eintrag funktionsfähig sein, muss Grub umkonfiguriert werden. Entweder bearbeitet man die grub.cfg manuell und gibt den neuen Ort der kopierten Datei an (wobei das direkte Bearbeiten von der Datei eigentlich nicht empfohlen ist) oder man erzeugt einen neuen UEFI-Eintrag für Windows (s. u.).

Windows weiterhin bootfähig machen

Damit UEFI von dem neuen Verzeichnis für den Windows Loader erfährt, erzeugt man also am besten einen neuen Eintrag. Dafür gibt es das Windows-Tool bcdedit.exe. Ruft man dieses ohne Parameter auf, erscheint die aktuelle Liste der Starteinträge im NVRAM des Mainboards. Folgender Befehl bearbeitet dann den Haupteintrag so, dass der Link auf den neuen Pfad zeigt:

bcdedit.exe /set "{bootmgr}" path "\EFI\Microsoft\bootmgfw.efi"

Nicht verwundern sollte einen, dass das HP System daraufhin sinnloserweise einen neuen Eintrag erzeugt.
Sollte wider Erwarten wieder jedes Mal Windows booten, muss man das Ersetzen des Windows Loaders evtl. wiederholen. Ich brauchte auch zwei Anläufe und wunderte mich immer aufs Neue über das willkürliche Erscheinen von neuen Boot-Einträgen.

Belohnung

Hat man diese Hürde allerdings gemeistert, wird man mit einem funktionierenden und komfortablen Dual-Boot-System belohnt.

Zum Ultrabook

An sich ist das Ultrabook HP Spectre 13 super. Ein i7, 8GB RAM, sehr gutes Display, eine Akkulaufzeit von 6 Stunden und vieles mehr machen es zu einer Kaufempfehlung.

Leider habe ich aber auch Kompatibilitätsprobleme mit Linux festgestellt.

Quellen

Update 21.06.2014: Bezüglich der Probleme mit Sound und WLAN, verweise ich auf meinen Update-Artikel zur Nutzung des HP Spectre 13 unter Linux.

Update 22.06.2014: Nach einigen Windows-Updates wird unsere EFI-Datei wieder durch die richtige von Windows überschrieben, dann muss man den Kopieren-Schritt erneut ausführen, damit Ubuntu weiterhin standardmäßig gebootet wird.

Kommentare

Dein Kommentar:






Bisher...

 
13.06.2014 13:08 Eduard Dopler sagt:
Lieber cbx,
vielen Dank für deinen Hinweis bzgl. des Sounds! Ich frage mich, was ich bei meinen ersten Versuchen mit den hda-verbs falsch gemacht habe... Egal, es klingt zwar noch nicht wie BeatsAudio, aber immerhin besser. Ich bleibe am Thema dran und poste das nun erst mal an die Kernel-Entwickler.
 
13.06.2014 11:27 cbx sagt:
Ich habe den Spectre 13 auch schon seit etlichen Wochen und bin sehr zufrieden damit. Mit aktuellem Kernem (3.14 oder besser) und aktueller Firmware (wlwifi-7260-ucode-23.214.9.0) läuft das WLAN klaglos.

Zum matten Sound habe ich - entgegen der Aussagen der Alsa-Entwickler - immerhin etwas aus der Doku entnehmen können, nämlich, wie man den Hochpassfilter vor den Lautsprechern abschaltet. Das ist immerhin ein Anfang, denn Subwoofer dürfte der Spectre 13 wirklich keinen haben.

Mehr dazu hier: http://cbx.amadyne.net/blog/articles/1412/the-hp-spectre-13-ultrabook-sound-mystery

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