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Radeon-News im Kernel 2.6.35

Da sich der aktuelle Entwicklungszyklus für den neusten Kernel seinem Ende nähert, möchte ich die Neuerungen insbesondere (aber nicht nur) aus dem Grafikbereich für ATI/AMD-Karten vorstellen.

Eine der größten Änderungen betrifft das Management der Kernelentwicklung selbst. So will Linus Torvalds größere Änderungen nach Schließen des Merge Windows nicht mehr zulassen. Mal gucken, obs diesmal klappt…

Grafik: In diesem Bereich gibt es wirklich großartige Neuigkeiten. Nachdem schon in der Vorgängerversion 2.6.34 Updates für das Power-Management im KMS-Modus von ATI-Karten der Generationen R300 und später (HD2000/3000/4000) eingetroffen sind, ist es stark erweitert worden: Es wurde ein profilgestütztes Stromsparsystem eingefügt, welches automatisch/dynamisch die Aggressivität der Modi festlegt oder man wählt selbst ein Profil, das die GPU in einen der vorhanden Modi default, low, high oder auto versetzt. Während low und high die GPU in den Zustand mit der geringsten Grafikleistung (maximales Stromsparen) oder dem aggressivsten Stromsparen (geringste Leistung) versetzen, belässt default schlicht den Standardtakt des Chips ohne Änderungen an Frequenz oder Spannung. auto wählt je nach Stromversorgung automatisch die geringste Leistung (Batterie) oder die höchste (Netz). Diese manuellen Zustände werden über /sys/class/drm/card0/device/power_method mit einem simplen echo profile aktiviert, sodass man in der Datei /sys/class/drm/card0/device/power_profile eines der genannten Profile wählen kann.
Für die vollautomatische Änderung der Grafikleistung genügt ein dynpm in die erstgenannte Datei. Dann wählt der Treiber den Takt abhängig von der Last (ermittelt über die Anzahl der abzuarbeitenden Fences). Allerdings warnt der Grafikentwickler Alex Deucher vor Grafikfehlern in diesem Modus. Außerdem ist zu erwähnen, dass dieses Power-Management gerade mal die Frequenz der Grafikkarte anpassen kann; die Fähigkeit, die Spannung anzupassen, erwarten wir ATI-Linux-Nutzer natürlich mit – nun ja – Spannung*.

Außerdem: Mehrere Optimierungen an der Netzwerkbasis erhöhen die Netzwerkgeschwindigkeit vor allem für Server und Mehrkernsysteme. AMDs Turbo-Core für Sechskerner erlebt ebenfalls grundlegende Verbesserungen. Interessant ist auch die neue „Memory Compaction“ getaufte Funktion, die es dem Kernel erlaubt, den Arbeitsspeicher zu defragmentieren und so größere zusammenhängende Bereiche zu ermöglichen.

Selbstverständlich gibt es weitere Optimierungen und progressive Arbeiten, die ich hier nicht alle aufführen kann – als Beispiel seien die fortlaufenden Verbesserungen am neuen Dateisystem Btrfs genannt. Alle Interessenten zu diesem und weiteren Themen verweise ich auf LKML.org, die Mailingliste der Linux-Entwickler, wo man sich Tag und Nacht auch über die kleinste Neuigkeit informieren kann. Außerdem gibt es hier die Zusammenfassungen von Linus zum jeweils vorangegangenen RC einer neuen Kernel-Version.

Installation in Ubuntu

Seit längerem schon bietet Canonical für Ubuntu jeweils den aktuellen Kernel vorkompiliert an. Zu beachten ist allerdings, dass die neuesten Kernel nicht mehr für alle Ubuntu-Versionen erscheinen. Dies erkennt man am Namenszusatz der übergeordneten Ordner (z. B. -lucid). Diejenigen Varianten ohne Zusatz sind sog. Vanilla-Kernel.
Zum Installieren reicht ein Download von der Seite des Kernel-Teams und die standardmäßige Installation. Danach müsste der neue Kernel in Grub an oberster Stelle eingetragen sein und somit auch gebootet werden. Stellt man fest, dass der neue Kernel nicht so wunderbar läuft, wie man es sich erhofft hat, wählt man beim Booten wieder den alten Kernel und löscht in der Paketverwaltung den neuen.

*Wie man auf der aktualisierten Feature-Matrix der radeon-Entwickler sieht, ist die Spannungsanpassung (voltage adjusting) auch schon fertig. Es besteht also Grund zur Hoffnung, dass diese weitere wichtige Stromsparfunktion in den Kernel 2.6.36 einfließt.

Mich erreichen Anfragen, wieso ein sudo echo X > file nicht funktioniert. Nun, dieser Ausdruck besteht aus zwei Einheiten. Dabei wird die Pipe, also der Befehl, der gerade root-Rechte benötigt, nicht mit solchen ausgeführt. Man hat jetzt wiederum zwei Möglichkeiten, doch noch mit diesen Rechten in eine Datei zu schreiben. Entweder man startet eine root-Login-Shell mit sudo su -l oder – und das ist die charmantere Lösung – man leitet die Ausgabe mit tee um. Das muss man dann natürlich mit root-Rechten starten, also

echo "auto" | sudo tee /sys/class/drm/card0/device/power_profile

Schon ist der auto-Modus aktiv.

Update am 29.07.2010 12:55

Update am 09.11.2010 21:29

Kommentare

Dein Kommentar:






Bisher...

 
05.11.2010 11:52 Eduard Dopler sagt:
Auch meine RV630 spart 4W. Zwar bemerkt man bei genauem Hinsehen leichte Ruckler, aber zum Arbeiten reicht es allemal, sprich Compiz und Firefox laufen flüssig.
 
18.08.2010 15:33 liz sagt:
Danke für die tolle Zusammenfassung. Nach dem Wechsel von default auf auto zeigt PowerTop eine Stromersparnis von 4W (18W auf 14W) meiner urigen X600 an.

de

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